Private Rentenversicherung kündigen: Vorlage und Muster
Eine private Rentenversicherung lässt sich meist zum Ende der Versicherungsperiode kündigen. Mit einer eindeutigen Kündigung, Vertragsnummer und der Bitte um Auszahlung des Rückkaufswerts vermeiden Sie Rückfragen. Erfahren Sie, welche Fristen gelten, welche Folgen die Kündigung hat und wie Sie das Schreiben korrekt formulieren.
Wer eine private Rentenversicherung kündigen möchte, braucht ein klares schriftliches Kündigungsschreiben und sollte die wirtschaftlichen Folgen vorher sorgfältig prüfen. Denn eine Kündigung beendet den Vertrag zwar regelmäßig zum vereinbarten Termin, kann aber dazu führen, dass der ausgezahlte Rückkaufswert deutlich niedriger ist als die bislang eingezahlten Beiträge.
Diese Seite zeigt Ihnen, wie Sie eine Kündigung für eine private Rentenversicherung formulieren, welche Angaben in das Schreiben gehören und worauf Sie bei Frist, Zugangsnachweis und Auszahlung achten sollten. Die Vorlage ist für klassische und fondsgebundene private Rentenversicherungen gedacht; bei Riester-, Rürup- und betrieblichen Verträgen gelten wichtige Besonderheiten.
Was bedeutet die Kündigung einer privaten Rentenversicherung?
Die private Rentenversicherung ist ein Versicherungsvertrag zur ergänzenden Altersvorsorge. Versicherungsnehmer zahlen Beiträge einmalig oder laufend ein. Im Gegenzug erbringt der Versicherer später – abhängig von der Vertragsgestaltung – eine lebenslange Rente, eine Kapitalleistung oder eine Kombination aus beidem.
Mit der Kündigung erklären Sie als Versicherungsnehmer, dass Sie den Vertrag vor dem vereinbarten Ablauf beenden wollen. In der Regel zahlt das Versicherungsunternehmen dann den vertraglich vorgesehenen Rückkaufswert aus. Bei fondsgebundenen Verträgen hängt dessen Höhe auch vom Wert der Fondsanteile am maßgeblichen Stichtag ab.
Kündigung, Beitragsfreistellung und Widerruf unterscheiden
Eine Kündigung ist nicht immer die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Bei einer Beitragsfreistellung bleibt der Vertrag grundsätzlich bestehen, Sie zahlen aber künftig keine Beiträge mehr. Die späteren Leistungen fallen meist geringer aus. Ein Widerruf kommt nur in Betracht, wenn die gesetzliche oder vertragliche Widerrufsfrist noch läuft oder ausnahmsweise ein fortbestehendes Widerrufsrecht besteht. Dies ist rechtlich anders zu beurteilen als eine gewöhnliche Kündigung.
Wenn Sie lediglich Ihre laufende Belastung reduzieren möchten, fragen Sie den Versicherer zusätzlich nach Möglichkeiten wie Beitragsreduzierung, Beitragsstundung oder Vertragsänderung. Lassen Sie sich die jeweiligen Auswirkungen auf garantierte und prognostizierte Leistungen schriftlich darstellen.
Rechtliche Grundlagen für die Kündigung
Für private Rentenversicherungen gelten vor allem die Vorschriften des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG), ergänzt durch die allgemeinen Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Die konkrete Kündigungsfrist, der Kündigungstermin und die Berechnung des Rückkaufswerts ergeben sich aus dem Versicherungsschein, den Allgemeinen Versicherungsbedingungen und den gesetzlichen Vorgaben.
Für Lebensversicherungen – hierzu zählen im rechtlichen Zusammenhang regelmäßig auch private Rentenversicherungen mit Kapitalbildungscharakter – regelt § 169 VVG den Rückkaufswert. Die Norm knüpft die Auszahlung bei Kündigung an die anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik und enthält Vorgaben zum Mindestbetrag.
Bei einer Kündigung hat der Versicherer den Rückkaufswert zu zahlen; dessen Berechnung richtet sich nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik. Die gesetzlichen Einzelheiten ergeben sich aus § 169 VVG.
§ 169 Versicherungsvertragsgesetz (VVG)
Die gesetzliche Regelung können Sie im vollständigen Wortlaut bei § 169 VVG auf Gesetze im Internet nachlesen. Für die Form Ihrer Erklärung ist außerdem relevant, ob der Versicherer in seinen Bedingungen Textform, Schriftform oder einen bestimmten Übermittlungsweg verlangt. Aus Beweisgründen ist ein unterschriebenes Schreiben per Einwurf-Einschreiben oder ein nachvollziehbar dokumentierter elektronischer Versand regelmäßig sinnvoll.
Wann wird die Kündigung wirksam?
Die Kündigung wird nicht schon durch das Absenden wirksam, sondern grundsätzlich erst mit ihrem Zugang beim Versicherer. Entscheidend sind danach der vertraglich vereinbarte Kündigungstermin und die geltende Kündigungsfrist. Häufig ist eine Kündigung zum Ende einer Versicherungsperiode möglich. Bei Verträgen mit laufender Beitragszahlung kann die Kündigungsfrist etwa einen Monat, drei Monate oder einen anderen in den Bedingungen festgelegten Zeitraum betragen.
Ist der nächstmögliche Beendigungstermin nicht sicher bekannt, sollten Sie hilfsweise „zum nächstmöglichen Termin“ kündigen und um schriftliche Mitteilung des konkreten Vertragsendes bitten. Dadurch vermeiden Sie, dass ein falsch berechnetes Datum die Erklärung insgesamt gefährdet.
Welche Angaben muss das Kündigungsschreiben enthalten?
Eine wirksame Kündigung muss vor allem eindeutig erkennen lassen, welcher Vertrag beendet werden soll und zu welchem Zeitpunkt dies gewünscht ist. Je präziser Ihre Angaben sind, desto geringer ist das Risiko von Rückfragen oder Verzögerungen bei der Bearbeitung.
| Angabe | Bedeutung | Empfohlene Formulierung |
|---|---|---|
| Absender | Zuordnung zum Versicherungsnehmer | Vollständiger Name und Anschrift |
| Empfänger | Zugang beim richtigen Unternehmen | Versicherer und aktuelle Vertragsservice-Adresse |
| Versicherungsnummer | Eindeutige Vertragsidentifikation | „Versicherungsnummer: [Nummer]“ |
| Kündigungserklärung | Unmissverständliche Beendigung | „Hiermit kündige ich den Vertrag …“ |
| Termin | Bestimmung des Vertragsendes | „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ |
| Auszahlung | Abwicklung des Rückkaufswerts | IBAN angeben und Auszahlung verlangen |
Folgende Bestandteile sollten Sie in Ihr Schreiben aufnehmen:
- Vor- und Nachname sowie vollständige aktuelle Anschrift des Versicherungsnehmers,
- Name und Anschrift des Versicherungsunternehmens,
- Ort und Datum,
- einen aussagekräftigen Betreff mit Versicherungsnummer,
- eine eindeutige Kündigungserklärung,
- den gewünschten Termin oder die Formulierung „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“,
- die Bitte um schriftliche Kündigungsbestätigung unter Nennung des Beendigungszeitpunkts,
- die Aufforderung zur Mitteilung und Auszahlung des Rückkaufswerts,
- Ihre Bankverbindung für die Auszahlung, sofern diese dem Versicherer nicht bereits sicher vorliegt,
- Ihre eigenhändige Unterschrift, wenn Sie den Brief postalisch versenden.
Die Angabe einer IBAN ist praktisch, aber achten Sie auf die richtige Bankverbindung. Aus Sicherheitsgründen kann der Versicherer bei einer abweichenden Kontoverbindung weitere Nachweise verlangen. Bei abgetretenen oder verpfändeten Ansprüchen, etwa zur Kreditsicherung, ist eine Auszahlung ohne Zustimmung des Berechtigten möglicherweise nicht möglich. Falls Sie einen Kreditvertrag beenden, kann auch unsere Seite Finanzierungsvertrag kündigen: Vorlage für Kreditnehmer hilfreich sein.
Vorlage
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Kündigung einer privaten Rentenversicherung
Absender
| Name, Vorname | [Vor- und Nachname] |
|---|---|
| Anschrift | [Straße und Hausnummer] [PLZ und Ort] |
| Telefon / E-Mail | [Telefonnummer] [E-Mail-Adresse] |
Empfänger
| Versicherungsunternehmen | [Name des Versicherers] |
|---|---|
| Anschrift | [Abteilung / Ansprechpartner, falls bekannt] [Straße und Hausnummer] [PLZ und Ort] |
[Ort], den [Datum]
Betreff: Kündigung meiner privaten Rentenversicherung, Versicherungsnummer [Versicherungsnummer]
Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit kündige ich meine bei Ihnen bestehende private Rentenversicherung mit der Versicherungsnummer [Versicherungsnummer] fristgerecht zum [Datum des gewünschten Vertragsendes], hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Bitte bestätigen Sie mir die Kündigung schriftlich. Teilen Sie mir dabei bitte den verbindlichen Beendigungszeitpunkt, den zum Vertragsende maßgeblichen Rückkaufswert sowie eine nachvollziehbare Abrechnung der Vertragsleistung mit.
1. Auszahlung des Rückkaufswerts
Ich bitte um Überweisung des sich aus der Vertragsbeendigung ergebenden Rückkaufswerts einschließlich gegebenenfalls zu berücksichtigender Überschussanteile auf folgendes Konto:
| Kontoinhaber | [Name des Kontoinhabers] |
|---|---|
| IBAN | [IBAN] |
| BIC | [BIC, nur falls erforderlich] |
| Kreditinstitut | [Name der Bank, optional] |
Sofern für die Auszahlung weitere Unterlagen, Nachweise oder Erklärungen erforderlich sind, informieren Sie mich bitte unverzüglich in Textform.
2. Zusatzvereinbarungen und Nebenleistungen
Bitte wählen und bearbeiten Sie die passende Variante:
[Variante A: Mit dieser Kündigung sollen auch sämtliche zu dem genannten Hauptvertrag gehörenden Zusatzversicherungen und Zusatzvereinbarungen, soweit rechtlich und vertraglich zulässig, zum gleichen Zeitpunkt enden.]
[Variante B: Von dieser Kündigung nicht erfasst sind folgende Zusatzversicherungen oder Vereinbarungen: Bezeichnung / Vertragsnummer: ______________________________. Bitte teilen Sie mir mit, ob und unter welchen Bedingungen diese selbstständig fortgeführt werden können.]
3. Weitere Mitteilungen
Bitte senden Sie die Kündigungsbestätigung, die Abrechnung und sonstige vertragsbezogene Mitteilungen an meine oben angegebene Anschrift beziehungsweise an folgende E-Mail-Adresse:
[E-Mail-Adresse für die Korrespondenz]
Etwaige Einzugsermächtigungen oder SEPA-Lastschriftmandate sollen nur insoweit nicht weiter genutzt werden, wie dies nach der wirksamen Beendigung des genannten Vertrags erforderlich ist. Bereits berechtigte Forderungen und die ordnungsgemäße Schlussabrechnung bleiben hiervon unberührt.
Bitte bestätigen Sie mir insbesondere:
- den Eingang dieses Kündigungsschreibens,
- den genauen Beendigungszeitpunkt des Vertrags,
- die Höhe und Berechnung des auszuzahlenden Rückkaufswerts,
- den voraussichtlichen Zeitpunkt der Auszahlung sowie
- gegebenenfalls die Beendigung oder Fortführung von Zusatzversicherungen.
Mit freundlichen Grüßen
______________________________
Unterschrift [Vor- und Nachname]
Anlagen, sofern vorhanden oder vom Versicherer verlangt:
- [Kopie des Versicherungsscheins]
- [Nachweis zur geänderten Bankverbindung, falls erforderlich]
- [Weitere Unterlagen]
Kündigung private Rentenversicherung: Vorlage ausfüllen
Die folgende Vorlage können Sie an Ihre Vertragsunterlagen anpassen. Prüfen Sie vor dem Versand insbesondere die Anschrift des zuständigen Versicherers, die korrekte Versicherungsnummer und Ihre Vertragsbedingungen. Wenn mehrere Verträge bestehen, sollte jedes Schreiben eindeutig nur den jeweils genannten Vertrag erfassen.
Schritt für Schritt zum fertigen Schreiben
- Unterlagen bereitlegen: Nehmen Sie Versicherungsschein, letzte Jahresmitteilung und Allgemeine Versicherungsbedingungen zur Hand. Notieren Sie Versicherungsnummer, Vertragsbeginn und gegebenenfalls die Versicherungsperiode.
- Empfänger prüfen: Nutzen Sie die Serviceanschrift des Versicherers aus aktuellen Unterlagen oder dessen Kundenportal. Achten Sie darauf, nicht versehentlich an einen Vermittler statt an den Versicherer zu schreiben.
- Vertrag genau bezeichnen: Tragen Sie die vollständige Versicherungsnummer ein. Bei Zusatzversicherungen prüfen Sie, ob diese ebenfalls beendet werden sollen oder gesondert aufgeführt werden müssen.
- Termin sicher formulieren: Kennen Sie den Termin nicht zweifelsfrei, verwenden Sie „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“. Ergänzen Sie die Bitte um Mitteilung des konkreten Beendigungsdatums.
- Auszahlung regeln: Fordern Sie die Mitteilung des Rückkaufswerts und dessen Überweisung auf Ihr Konto. Verlangen Sie außerdem eine nachvollziehbare Abrechnung.
- Nachweisbar versenden: Drucken Sie das Schreiben aus, unterschreiben Sie es und bewahren Sie eine Kopie auf. Beim Postversand ist ein Einwurf-Einschreiben eine Möglichkeit, den Zugang zu dokumentieren. Bei einer elektronischen Kündigung speichern Sie Versandbestätigung und alle Antworten.
- Bestätigung kontrollieren: Vergleichen Sie den bestätigten Endtermin und den ausgezahlten Betrag mit den Vertragsunterlagen. Klären Sie Abweichungen unverzüglich schriftlich.
Praktisches Beispiel für die Formulierung
Angenommen, Frau Jana Weber hat bei der Beispiel Vorsorgeversicherung AG eine fondsgebundene private Rentenversicherung unter der Nummer RV-123456789. Sie möchte den Vertrag nicht zu einem möglicherweise falsch berechneten Stichtag kündigen. Deshalb erklärt sie die Kündigung zum nächstmöglichen Zeitpunkt und verlangt zugleich eine Bestätigung sowie die Abrechnung des Rückkaufswerts.
„Hiermit kündige ich meine private Rentenversicherung mit der Versicherungsnummer RV-123456789 zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte bestätigen Sie mir schriftlich den Beendigungszeitpunkt und zahlen Sie den Rückkaufswert nach Übersendung einer nachvollziehbaren Abrechnung auf das unten genannte Konto aus.“
Formulierungsbeispiel für ein Kündigungsschreiben
Diese Formulierung ist bewusst knapp und eindeutig. Frau Weber muss keinen Kündigungsgrund nennen. Sie sollte aber vorher prüfen, ob ihr Vertrag durch eine Abtretung belastet ist, ob steuerliche Folgen drohen oder ob ein Wechsel beziehungsweise eine Beitragsfreistellung wirtschaftlich besser geeignet ist.
Rückkaufswert, Kosten und steuerliche Folgen prüfen
Der Rückkaufswert ist nicht automatisch identisch mit der Summe Ihrer eingezahlten Beiträge. Besonders in den ersten Vertragsjahren können Abschluss- und Verwaltungskosten, der Versicherungsschutz sowie bei fondsgebundenen Policen die Wertentwicklung dazu führen, dass die Auszahlung enttäuschend niedrig ausfällt. Bitten Sie vor Ihrer endgültigen Entscheidung um eine aktuelle Rückkaufswertauskunft und vergleichen Sie diese mit einer Beitragsfreistellung.
Steuern nicht übersehen
Die steuerliche Behandlung einer Auszahlung hängt insbesondere vom Vertragsbeginn, der Laufzeit, dem Alter bei Auszahlung und der konkreten Vertragsart ab. Bei bestimmten Kapitalauszahlungen können Erträge steuerpflichtig sein. Bei staatlich geförderten Altersvorsorgeverträgen können zudem Zulagen oder Steuervorteile zurückzuzahlen sein. Eine allgemeine Kündigungsvorlage kann diese individuelle Prüfung nicht ersetzen.
Die einkommensteuerrechtlichen Grundregeln für Erträge aus bestimmten Versicherungen finden sich in § 20 EStG. Bei höheren Beträgen, Altverträgen oder staatlicher Förderung empfiehlt es sich, vor der Kündigung steuerlichen Rat einzuholen und eine verbindliche Berechnung anzufordern.
Versicherungsschutz und Altersvorsorge
Manche Rentenversicherungen enthalten zusätzliche Leistungen, etwa eine Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, eine Hinterbliebenenabsicherung oder garantierte Rentenfaktoren. Durch die Kündigung können diese Bausteine ersatzlos wegfallen. Prüfen Sie deshalb, ob ein eigenständiger Risikoschutz erforderlich ist und ob die Neuabsicherung wegen Alter oder Gesundheitszustand teurer oder schwieriger werden könnte.
Häufige Fehler bei der Kündigung
Viele Probleme entstehen nicht durch den eigentlichen Kündigungswunsch, sondern durch unvollständige Angaben, fehlende Nachweise oder eine vorschnelle Entscheidung. Vermeiden Sie insbesondere die folgenden Fehler:
- Falschen Vertrag kündigen: Nutzen Sie immer die exakte Versicherungsnummer und benennen Sie gegebenenfalls betroffene Zusatzbausteine.
- Frist mit Versand verwechseln: Maßgeblich ist in der Regel der Zugang beim Versicherer. Planen Sie einen ausreichenden zeitlichen Puffer ein.
- Ungeeigneten Termin nennen: Ist die Frist unklar, kündigen Sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt statt zu einem unsicheren Datum.
- Rückkaufswert nicht vorab erfragen: Ohne aktuelle Auskunft entscheiden Sie möglicherweise auf einer unvollständigen wirtschaftlichen Grundlage.
- Beitragsfreistellung nicht prüfen: Sie kann im Einzelfall vorteilhafter sein als eine vollständige Vertragsbeendigung.
- Steuer- und Förderfolgen ignorieren: Besonders bei Riester-, Rürup- und betrieblichen Verträgen können erhebliche Nachteile entstehen.
- Zugang nicht dokumentieren: Ohne Versand- oder Zugangsbeleg kann es schwierig sein, eine rechtzeitige Kündigung nachzuweisen.
- Bankdaten unkritisch ändern: Teilen Sie Änderungen nur über sichere und nachvollziehbare Wege mit und bewahren Sie die Kommunikation auf.
Besondere Vertragsarten und Varianten
Fondsgebundene private Rentenversicherung
Bei einer fondsgebundenen Police schwankt der Vertragswert mit der Entwicklung der gewählten Fonds. Der maßgebliche Wert kann davon abhängen, wann die Kündigung eingeht und zu welchem Bewertungszeitpunkt Fondsanteile veräußert werden. Lesen Sie hierzu die Bedingungen des Versicherers. Eine Kündigung in einer Marktschwäche kann den Auszahlungsbetrag spürbar beeinflussen.
Riester-Rentenversicherung
Eine Kündigung eines Riester-Vertrags kann als schädliche Verwendung gelten. Dann können staatliche Zulagen und möglicherweise gewährte Steuervorteile zurückgefordert beziehungsweise verrechnet werden. Vor einer Kündigung sollte daher mindestens ein Wechsel zu einem anderen Anbieter oder eine Beitragsfreistellung geprüft werden. Der Versicherer oder die Zentrale Zulagenstelle kann Auskunft zur Abwicklung geben.
Rürup- oder Basisrente
Eine Basisrente kann grundsätzlich nicht wie eine gewöhnliche kapitalbildende Rentenversicherung gekündigt und ausgezahlt werden. Je nach Vertragsgestaltung kommt häufig nur eine Beitragsfreistellung in Betracht. Verwenden Sie die Kündigungsvorlage daher nicht unbesehen für einen Rürup-Vertrag; prüfen Sie die Bedingungen und holen Sie eine individuelle Auskunft ein.
Betriebliche Altersversorgung
Bei einer Direktversicherung, Pensionskasse oder einem Pensionsfonds im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung bestehen häufig besondere arbeits-, steuer- und sozialversicherungsrechtliche Bindungen. Versicherungsnehmer ist nicht selten der Arbeitgeber. Als Arbeitnehmer können Sie den Vertrag dann regelmäßig nicht einfach selbst gegenüber dem Versicherer kündigen.
Checkliste vor dem Versand
Mit dieser kurzen Kontrolle stellen Sie sicher, dass Ihr Schreiben vollständig vorbereitet ist:
- Versicherungsschein und aktuelle Versicherungsnummer liegen vor.
- Sie haben die Kündigungsfrist und den möglichen Kündigungstermin geprüft.
- Sie kennen oder haben angefordert: aktuellen Rückkaufswert und Auszahlungsbedingungen.
- Sie haben Beitragsfreistellung, Reduzierung oder Wechsel als Alternativen bedacht.
- Steuerliche, förderrechtliche und versicherungsrechtliche Folgen sind geprüft.
- Die Kündigung enthält „zum nächstmöglichen Zeitpunkt“, falls kein sicherer Termin bekannt ist.
- Ihre IBAN ist korrekt eingetragen oder die Auszahlung soll auf das bereits hinterlegte Konto erfolgen.
- Sie haben um Kündigungsbestätigung und nachvollziehbare Abrechnung gebeten.
- Sie unterschreiben das Schreiben und versenden es mit dokumentierbarem Zugang.
- Kopie, Einlieferungsbeleg und spätere Bestätigung werden gemeinsam abgelegt.
Häufige Fragen
Kann ich meine private Rentenversicherung jederzeit kündigen?
Ob und wann Sie kündigen können, richtet sich vorrangig nach Ihrem Vertrag und den Versicherungsbedingungen. Häufig ist eine Kündigung zum Ende der Versicherungsperiode unter Einhaltung einer Frist möglich. Prüfen Sie daher den Versicherungsschein und die Bedingungen oder kündigen Sie hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Muss ich einen Grund für die Kündigung nennen?
Nein. Bei einer ordentlichen Kündigung müssen Sie üblicherweise keinen Grund angeben. Eine eindeutige Erklärung, die Versicherungsnummer und der gewünschte Termin reichen grundsätzlich aus.
Wie hoch ist der Rückkaufswert meiner Rentenversicherung?
Der Rückkaufswert ist individuell. Er hängt unter anderem von Vertragsdauer, eingezahlten Beiträgen, Kosten, Garantien, Überschüssen und bei fondsgebundenen Verträgen von der Kapitalmarktentwicklung ab. Fordern Sie vor der Kündigung eine aktuelle schriftliche Auskunft und Abrechnung an.
Ist eine Kündigung per E-Mail wirksam?
Das hängt von den vertraglichen Formvorgaben ab. Manche Versicherer ermöglichen Kündigungen im Kundenportal oder per E-Mail, andere verlangen bestimmte Verfahren. Ein unterschriebenes Schreiben mit nachweisbarem Zugang bietet eine gute Beweislage. Beachten Sie stets die aktuellen Bedingungen Ihres Vertrags.
Was passiert mit einer Berufsunfähigkeitszusatzversicherung?
Ist die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung an den Hauptvertrag gekoppelt, kann sie mit dessen Kündigung enden. Prüfen Sie vorab, ob und zu welchen Konditionen eine eigenständige Fortführung oder ein Ersatzschutz möglich ist. Gerade bei gesundheitlichen Vorerkrankungen ist eine Neuversicherung nicht immer problemlos möglich.
Kann ich statt einer Kündigung beitragsfrei stellen?
In vielen Verträgen ist das möglich. Sie zahlen dann keine weiteren Beiträge, behalten aber meist einen reduzierten Leistungsanspruch. Ob dies besser als eine Kündigung ist, hängt vom Vertrag, dem Rückkaufswert, bestehenden Garantien und Ihrem Vorsorgeziel ab.
Quellen und weiterführende Informationen
- Versicherungsvertragsgesetz, insbesondere § 169 VVG zum Rückkaufswert bei Kündigung.
- § 11 VVG auf Gesetze im Internet zur Kündigung durch den Versicherungsnehmer.
- Einkommensteuergesetz, insbesondere § 20 EStG zur Besteuerung von Kapitalerträgen.
- Versicherungsschein und Allgemeine Versicherungsbedingungen des jeweiligen Versicherers.
- Bundesministerium der Finanzen: Informationen zur steuerlichen Behandlung von Altersvorsorgeprodukten.